Aktuelles
Intensiv, verbindend, inspirierend
Workshop des Chors „Happy Voices“ mit Nanni Byl
Am Samstag, 21. Februar, hieß es für die Happy Voices: Ran ans
Eingemachte! Gemeinsam mit Nanni Byl widmeten man sich Themen,
die im Choralltag manchmal zu kurz kommen. Der Fokus lag auf
Intonation, Rhythmik und der bewussteren Wahrnehmung der eigenen
Stimme. Als Probenort diente der vertraute Raum im Evangelischen
Gemeindezentrum Diedenbergen diesmal allerdings in Workshop-
Atmosphäre.
Bereits beim Einsingen wurde das theoretisches Wissen aufgefrischt
insbesondere über den Beckenboden, der als Stützmuskulatur eine
zentrale Rolle für gesundes und effektives Singen spielt. Er trägt die
inneren Organe im Beckenraum und unterstützt die tiefe
Bauchatmung. Ein trainierter Beckenboden verbessert die Atemstütze
und wirkt sich positiv auf Tonumfang, Klangqualität und Ausdauer aus
eine wichtige Grundlage für langes, kraftvolles Singen. Ebenso
entscheidend ist die Mundöffnung für die Klangbildung. Eine offene,
entspannte Mundstellung ermöglicht bessere Resonanz und Projektion
der Stimme. Dabei gilt: weit öffnen, ohne zu verspannen – und auch
hier kann ein „Zuviel“ den Klang dumpf werden lassen.
Ein weiterer spannender Aspekt war der Blick auf Satzzeichen in
Arrangements. Sie haben – wie in der Sprache – Bedeutung und geben
Hinweise auf Phrasierung, Atmung und Ausdruck. Ein Arrangement
kann zwar Vorgaben machen, doch wenn die Sängerinnen und Sänger
gemeinsam eine überzeugendere Interpretation finden, darf auch
einmal gelten: Die Stimme des „Volkes“ zählt.
Eine einfache, aber zentrale Erkenntnis: Üben heißt Wiederholen. Nur
durch bewusste Wiederholung festigen sich musikalische Fähigkeiten
und Abläufe.
Besonders intensiv beschäftigten man sich mit dem „chorischen
Atmen“. Ziel ist ein durchgehender Klang ohne hörbare Atempausen.
In mehrfach besetzten Stimmgruppen atmen die Sängerinnen und
Sänger versetzt – immer dann, wenn die Nachbarin oder der Nachbar
gerade nicht atmet. Einzelne Töne dürfen dabei zugunsten des
Gesamtklangs auch einmal ausgelassen werden.
Ein weiteres Thema war die sogenannte Indifferenzlage – die Tonhöhe,
in der sich die Stimme am wohlsten fühlt und mit geringstem Aufwand
klingt. Da Gesang meist höher liegt als die Sprechstimme, besteht im
Chor die Gefahr, unbewusst in die bequemere, tiefere Lage
zurückzufallen. Dieses Bewusstsein half uns, klanglich stabiler zu
bleiben. Und über allem stand eine einfache Wahrheit: Was auch
immer wir singen – wir haben einen gemeinsamen Puls.
Nanni Byl verstand es meisterhaft, Professionalität und Wertschätzung
zu verbinden. Mit großer Klarheit, Geduld und Einfühlungsvermögen
hielt sie Konzentration und Leichtigkeit über sieben intensive Stunden
hinweg aufrecht. Komplexe Passagen wurden analysiert, verständlich
erklärt und mit präzisem Dirigat erarbeitet. Ihr eingängiges Vorsingen
half, knifflige Stellen sicher zu meistern und musikalische
Phrasierungen bewusster zu gestalten.
Der Workshop wurde einhellig als großer Erfolg empfunden. Worte wie
intensiv, motivierend, impulsgebend, freudig und verbindend
spiegelten die Gesamtstimmung wider.
Eine Sängerin brachte es treffend auf den Punkt: „Endlich ausdauernd
singen – ohne sich weh zu tun.“
Das gestärkte Selbstbewusstsein im Ausdruck vertiefte die Verbindung
zu Text und Musik – und machte Lust auf mehr.
Zwei kurze Pausen und eine gemeinsame Mittagspause sorgten für
Austausch und neue Energie. Das Buffet wurde – wie so oft – von den
Sängerinnen und Sängern selbst gestaltet und ließ keine Wünsche
offen.
Chorleiter Frank Eckhart, der ebenfalls am Workshop teilnahm, griff
die Motivation und die Energie gleich in der nächsten Chorprobe auf,
um das Erarbeitete in der regulären Probe zu vertiefen.
Ein Tag voller Impulse – musikalisch wie menschlich. LISA NOACK,
Bonjour, Guude, Bravo - Wenn Hofheim und Chinon
gemeinsam im Takt schwingen
Gänsehaut, magische Momente und Standing Ovations. Das passiert,
wenn ein französischer Chor voller Elan nach einer mehrtägigen Reise
in Hofheim eintrifft, dort herzlich von singfreudigen Hessen und
Hessinnen empfangen wird, und man gemeinsam eine Kirche zum
Klingen bringt. Eine Kirche mit einer klangvollen Akustik und einer
Kirchengemeinde, die auf gewinnende Gastfreundschaft setzt.
Das war von langer Hand geplant und Wirklichkeit geworden ist es am
31. Mai 2025 in der evangelischen Johanneskirche. Ein gemeinsames
Konzert zu gestalten, als musikalisches Symbol der Freundschaft über
Grenzen hinweg. Hier sollte Völkerverständigung in Dur und Moll
betrieben werden.Mit viel Engagement gelang es Sophie Peyron vom
Förderkreis Hofheimer Städtepartnerschaften e.V., Frank Eckhardt,
Chorleiter der Happy Voices, Nathalie Lechevallier, Dirigentin des
Chores Do Diese und Christine Kettemann, Sprecherin im Vorstand
der Happy Voices, dieses gemeinsame Konzert zu realisieren. Somit
war die musikalische Freundschaft kein Zufall.
Wie bei Städtepartnerschaftstreffen üblich, wurden die französischen
Gäste privat in Hofheim und Umgebung in Gastfamilien
untergebracht. Eine schöne Tradition, die viele Gelegenheiten
bietet, die Herzen einander näher zu bringen.
Auf dem musikalischen Weg zu diesem Konzert war die Begeisterung
groß, gemeinsam das zu tun, was uns am Herzen liegt. Befeuert von
Nathalie Lechevallier, mit ihrer Power und viel Rhythmusgefühl und
Frank Eckhardt mit seiner zielgerichteten Führung, Konzentration
und Gelassenheit. Auch hier Elemente die eigentlich gegensätzlich
sind und sich doch so
hervorragend ergänzten.
Am Samstag nachmittag
war es dann soweit. Eine
kurze gemeinsame Probe
bestätigte unsere
Erwartungen. Das
Zusammenspiel mit Do
Diese würde wunderbar
werden.
Zum Auftakt des Konzerts
richteten Beate Barth (Chinonreferentin der Stadt Hofheim) und
Ingrid Bender (Koordinatorin des Förderkreises Hofheimer
Städtepartnerschaften) einige einleitende Worte an das Publikum.
Beide betonten die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit
und stimmten die erwartungsvollen Gäste auf einen stimmungsvollen
Nachmittag ein.
Und so kam es auch. Der französische Chor ließ internationales und
traditionelles Liedgut aus der Renaissance wie "Cantigas du Roy
Alphonse X Le Sage", "Amazing Grace" und „Klim op die wa"
erklingen, rhythmisch untermalt von 21 Sängerinnen und Sängern.
Die Hessen präsentierten derweil den poppigen Part mit " Viva La
Vida", "Thank you for the Musik" und "Halleluja", vierstimmig und mit
Inbrunst intoniert. Klingt nach Stilbruch? Nein, das passte wie
Baguette und Handkäs.Und dann das große Finale: 50 Menschen auf
einer Bühne, zwei Chöre, eine Sprache: die Musik. "Je Veux" und der
Kanon "Nu Nu Nu" verbanden französisches Flair mit hessischem
Herzblut. Man sah es in den Gesichtern: Das war nicht nur ein
Auftritt, das war ein Herzensanliegen. Und wie im Kanon
aufgefordert: "Lasst uns freuen und fröhlich sein", wurde dem Folge
geleistet, nicht nur von den Sängerinnen und Sängern. Das Publikum
belohnte die musikalische Leistung mit begeistertem Dank und
Standing Ovations.
Der zwischenzeitliche Wolkenbruch tat dem schwungvollen Auftritt
unter dem Kirchenschiff keinen Abbruch. Das gemeinsame
Abendprogramm wurde mit tatkräftiger Unterstützung aller
Beteiligten spontan in "trockene Tücher" gebracht. So fand das
deutsch/ französische Picknick nicht im Freien im Wasserschloss
statt, sondern in fröhlicher Runde in den Räumlichkeiten des
Kellereigebäudes.
Am darauffolgenden Sonntagmorgen wurden unsere Gäste aufs
herzlichste auf dem Hofheimer Chinonplatz verabschiedet. Und der
Tenor war klar. Jetzt seid Ihr dran, und wir singen gemeinsam in
Chinon. Wir freuen uns auf Euch!